Über uns


Hallo! Wir sind Juliane Dietrich, Henriette Stapf und Johannes Dietrich. Seit 2012 bieten wir Biografieworkshops an, insbesondere für die “Dritte Generation Ostdeutschland”, der wir selbst angehören.

Juliane Dietrich (geb. Cieslak)

Juliane Dietrich Seifhennersdorf 2012
In Seifhennersdorf/Oberlausitz; Foto: Sven Gatter 2012

„Ossis rieche ich auf 10 Meilen gegen den Wind.“, „Du bist eine Schmarotzerin.“ … diese Art von Ablehnung und Unverständnis gegenüber Ostdeutschen begegneten mir im Studium und auf meinen Auslandsreisen und führten dazu, dass ich begann, mich mit meiner ostdeutschen Herkunft auseinanderzusetzen. Einfacher fiel mir das zunächst in meinen Beziehungen zu anderen Westdeutschen – besonders in der Durchführung von gemeinsamen Projekten wurde es mir immer wichtiger, meine (ostdeutsche) Perspektive zu vertreten. Dies fiel und fällt mir nicht unbedingt leicht – schätzte ich doch das Verhalten und Denken von Menschen, die in Westdeutschland geboren und aufgewachsen sind, zunächst oft für passender oder klüger ein. Ich musste mir erst einen eigenen Raum zum Denken und Sprechen erkämpfen, den ich mir manchmal sogar selbst verwehrte.

Weitere Einsichten bekam ich, als ich anfing, mich mit anderen Ostdeutschen und -europäern zu treffen und gemeinsam mit ihnen einen Blick in die Vergangenheit und Gegenwart aus einer Ost-Perspektive zu werfen. Ich verstand plötzlich, dass meine Gefühle von „aussen-zu-stehen“ und „besonders-zu-sein“, die ich manchmal in größeren Gruppen bekomme, unter anderem mit dem kirchlichen Hintergrund meiner Familie zusammenhängen. Dieser führte in der DDR zu einer realen Ausgrenzung, die mein Unterbewusstsein bis heute abgespeichert hat.

Ich begann auch die Dimension dessen zu erahnen, die es hat, sich mit dem Thema Transformation und strukturellen Rückgang emotional auseinander zu setzen – stamme ich doch aus Seifhennersdorf, einem früheren Standort der Textilindustrie an der tschechischen Grenze in der Oberlausitz, der vor der Wende 8000 Einwohner hatte und in dem mittlerweile nur noch ca. 3500 Menschen leben.

Den Austausch mit anderen Ostdeutschen in den Biografiegruppen empfinde ich als sehr bereichernd und erweiternd, da er einen Einblick in verschiedene menschliche Erfahrungswelten ermöglicht und dazu befähigt, innerliche und zwischenmenschliche Grenzen zu überwinden. Ich sehe das als einen wichtigen Schritt dahin, die Gesellschaft aus unserer Perspektive (mit-) zu gestalten.

Ich habe ein Grundstudium in Soziologie, Politikwissenschaften und Slawistik absolviert. Zudem habe ich mich in Co-Counseling-Techniken weitergebildet, die ich seit 2003 unterrichte. Seit 2010 arbeite ich als diplomierte Sozialpädagogin mit Kindern, Jugendlichen und Eltern. Seit 2011 moderiere ich Biografieworkshops innerhalb der 3ten/ Dritten Generation Ostdeutschland.

Henriette Stapf


 

 

 

 

 

 

Bei meinem Studium der Kulturarbeit in Potsdam reizte mich besonders der Anspruch, kulturelle Erfahrungen aus Ost- und Westdeutschland zu betrachten und diese für die eigene zukünftige Kulturarbeit nutzbar zu machen. Schnell wurde klar, dass dieser Anspruch durch ein Professor*innenteam, bestehend ausschließlich aus westlich sozialisierten Menschen, nicht wirklich umgesetzt werden konnte. Dies wurde für mich Antrieb für die intensive Auseinandersetzung mit dem kulturellen und sozialen Wandel in Ostdeutschland. Kernthemen meiner Arbeit sind seit 2003 die (Wieder-)Belebung von Mentoringverhältnissen zwischen östlich Sozialisierten, das Machtverhältnis Ost-West, Ungleichheiten östlicher und westlicher Prägungen, die Verankerung östlicher Sichtweisen in Diskursen, die Bereicherung der gesamtdeutschen Geschichtserzählung um die Geschichte Ostdeutschlands, Kooperationen von Minderheiten und die Ermöglichung einer innerostdeutschen Debatte in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Seit 2011 engagiere ich mich im Netzwerk Dritte Generation Ost und bin Gründungsmitglied des weltbewusst e.V., der Träger der Biografiearbeit Dritte Generation Ost ist. Ich möchte den Prozess des Umgangs mit dem sozial-kulturellen Erbe in Ostdeutschland mitgestalten. Es braucht Menschen, die östlich Sozialisierte in ihrer persönlichen Auseinandersetzung und ihrer gesellschaftlichen Beteiligung unterstützen und fördern, davon bin ich überzeugt.

An unserer Arbeit mit dem Biografieteam schätze ich die Rückmeldungen der Teilnehmenden, die die Wichtigkeit der Aufarbeitung und den empowernden Ansatz unserer Methode immer wieder hervorheben. Es ist ein Schatz die Biografien anderer kennenlernen lernen zu dürfen! Durch das gleichwertige Erzählen und Zuhören tragen wir dazu bei, dass Verständnis für die Komplexität ostdeutscher Erfahrungen entstehen kann.

Johannes Dietrich

Johannes Dietrich, Foto: Henriette Stapf 2019

Der rote Faden meiner Tätigkeiten ist selbstorganisiertes Leben und Arbeiten für eine nachhaltige Welt. Diesen Schwerpunkt habe ich sicherlich auch vor dem Hintergrund meiner Vergangenheit in der DDR ‒ zunächst unbewusst, später bewusster ‒ gewählt. Bereits als Kind guckte ich meinem Vater gern über die Schulter, wenn er zu Hause handwerklich arbeitete und ahmte ihn nach.

Seit 2006 arbeite ich zudem biografisch-emotional zu ostdeutscher Herkunft, zu Umweltthemen sowie zu Entwicklungsaufgaben von Männern. An der Arbeit in den Biografiegruppen fasziniert mich insbesondere die Möglichkeit, verschüttete Kenntnisse und Gefühle zu (meinen) Identitäten wiederzuerlangen und somit insgesamt ein zufriedeneres Leben zu führen.

Unsere Ziele für die Biografiearbeit mit der Dritten Generation Ostdeutschland:

Selbstbewusstsein stärken: Mit der Biografiearbeit stärken wir das Selbstbewusstsein der Dritten Generation Ost, indem wir unseren eigenen, ganz spezifischen Erinnerungen an DDR und Transformation eine Bedeutung verleihen. So können wir im öffentlichen Diskurs eigenständig auftreten, eigene Projekte entwickeln und gesellschaftlich tätig werden.

Intergenerationelles Lernen: Durch die Biografieworkshops schaffen wir einen (Selbst-) Verständigungsraum unter Gleichaltrigen, der uns in die Lage versetzt, Fragen zu formulieren und mit unserer Eltern- und Großelterngeneration ins Gespräch zu kommen.

Gestaltungskompetenz erwerben: Wir beschäftigen uns mit unserer Vergangenheit, um die Gegenwart und Zukunft unseres persönlichen Lebens und unseres Landes zu gestalten.